BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ortsverband Scheeßel

Rundgang zeigt Hindernisse – aber auch gute Lösungen

Wo hakt es in Scheeßel?

07.05.26 – von Bernd Braumüller –

 

Scheeßel – Rund zehn Interessierte haben sich am Dienstag auf Einladung des Ortsverbands
Bündnis 90/Die Grünen zu einem Rundgang durch Scheeßel getroffen, um gemeinsam auf
Barrieren und Verbesserungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum aufmerksam zu machen.
Mit dabei waren unter anderem Janthe Schröder aus Hetzwege, die auf den Rollstuhl
angewiesen ist, Ralph Siewers, der eine Gehbehinderung hat, sowie Klaus Meyerhöfer als
Vertreter des Seniorenbeirats der Gemeinde Scheeßel.

Bahnhof Scheeßel


Erste Station war der Bahnhof Scheeßel. Dort wurden gleich mehrere Probleme
angesprochen. So ist der Behindertenparkplatz entlang des Bahnsteigs derzeit von einem
Kantstein umgeben und nicht abgesenkt. Menschen mit Rollstuhl müssen deshalb entweder
auf dem Parkplatz bis zum alten Bahnhofsgebäude ausweichen oder bis runter zur Straße
fahren, um dann zum Bahnsteig oder Fahrkartenautomaten zu gelangen. Nach Einschätzung
der Teilnehmenden ließe sich das Problem bereits durch eine Verlegung des Parkplatzes oder
Absenkung der Bordsteine verbessern.
Kritisiert wurde außerdem die Situation während eines vergangenen Hurricane-Festivals.
Damals seien die Behindertenparkplätze zwar auf einen anderen Parkplatz verlegt worden,
breitere Markierungen für Rollstuhl Nutzer:innen hätten jedoch gefehlt. Schilder, die die
Behindertenparkplätze ausweisen sollten, waren zwar vor Ort, aber es wurde versäumt, diese
auch an der Parkfläche aufzustellen.
Auch die Bushaltestelle des Bürgerbusses am Bahnhof wurde thematisiert. Der dortige
Bordstein sei mit rund 19 Zentimetern ungewöhnlich hoch. Ralph Siewers berichtete, dort
bereits gestürzt zu sein. Zudem fehle am Bahnhof weiterhin eine öffentliche barrierefreie
Toilette. Als mögliche Lösung wurde die Idee einer „Netten Toilette“ ins Gespräch gebracht –
beispielsweise in Kooperation mit dem gegenüberliegenden Pflegeheim.
Probleme bereitete Janthe Schröder außerdem die Steigung der Rampen am Bahnhof. Nach
DIN 18040 sollte das Gefälle im öffentlichen Bereich in der Regel maximal sechs Prozent
betragen. Die Teilnehmenden hatten den Eindruck, dass diese Steigung teilweise überschritten
wird. Besonders für Menschen mit Rollstuhl sei das ohne Unterstützung schwierig zu
bewältigen.
Kritisch gesehen wurden außerdem fehlende Sitzmöglichkeiten auf dem Bahnsteig zwischen
Gleis 2 und 3 sowie die offenen Überdachungen ohne Seitenwände. Auch der Tunnel wurde
insbesondere nachts als unangenehm und wenig einladend beschrieben. Die Nischen der
Metallwände laden zum Urinieren ein und bieten Versteckmöglichkeiten, jemandem
aufzulauern.

Kernort Scheeßel


Im Ortskern fiel dagegen positiv auf, dass die Parkplätze in der verkehrsberuhigten
Bahnhofstraße weitgehend gut abgeflacht sind und dadurch von Rollstuhl- und Rollatorfahrer:
innen vergleichsweise problemlos genutzt werden können. Gleichzeitig wurde aber auch
darauf hingewiesen, dass Bordsteinkanten für Menschen mit einer Sehbehinderung wichtig
zur Orientierung sind.
Deutliche Kritik gab es am Behindertenparkplatz an der Beeke-Apotheke im Vahler Weg am
Beeke-Kreisel. Selbstfahrer:innen müssten dort sozusagen sehr dicht an der Fahrbahn bei viel
Verkehr in ihren Rollstuhl steigen und dann über den Fahrradstreifen und gegen eine Steigung
fahren, um auf den Gehweg zu gelangen. Wer auf der Beifahrerseite aussteigen will und einen
Rollstuhl benötigt, hat einen hohen Bordstein vor sich, um auf den Fußweg zu gelangen und
muss ebenfalls die Straße entlangrollen. Als sinnvoller Alternativstandort wurde der Bereich
vor dem ehemaligen Tulipa-Geschäft an der Harburger Straße vorgeschlagen, da dort mehr
Platz für gefahrenloses Ein- und Aussteigenvorhanden sei.
Als besonders problematisch wurde die Querung der Zevener Straße an der B 75 zwischen
Kolkmann Bettenhaus und Wedel beschrieben. Die Querung liegt einige Meter von der B75
entfernt in der Zevener Straße. Wer mit Rollstuhl die Straße überqueren möchte, kann die
Autos, die aus Richtung Beeke-Kreisel kommen, kaum sehen, da die Sträucher die Sicht
verdecken. Obwohl abgesenkte Bordsteine auf beiden Seiten vorhanden seien, fehle eine
sichere Querungsmöglichkeit. Fahrbahnmarkierungen, die die Quererung kennzeichnen, gibt
es nicht. Die Teilnehmenden regten an, die Grünfläche teilweise zurückzubauen und eine
Überquerung direkt entlang der Bundesstraße zu ermöglichen.
Positiv hervorgehoben wurde die Verlegung des Behindertenparkplatzes vor dem City-Döner
auf Anregung des Kreisbehindertenbeirats. Durch den neuen Standort vor der VGH-
Vertretung stehe nun deutlich mehr Platz zur Verfügung und man könne hier sicher
aussteigen.
Weitere Probleme wurden im Bereich Veerser Weg / Kurze Straße festgestellt. Dort seien
die Bordsteine zu wenig abgesenkt, was insbesondere für Rollstuhl- und Rollatorfahrer:innen
schwierig und gefährlich sei. Da dieser Bereich auch ein wichtiger Weg zum Friedhof ist,
sehen die Teilnehmenden dort dringenden Handlungsbedarf.

Was sonst noch auffiel


Auch aus Sicht von Kindern gebe es Probleme. Nina Ruzicka von der Kinderwerkstatt
Scheeßel berichtete, dass der Gehweg in der Helvesieker Straße auf einer Seite praktisch fehle
und auf der anderen Seite teilweise sehr schmal sei. Für ihren Kinderhort sei dies
problematisch, da sie häufig mit einem „Kinderbus“ für bis zu acht Kinder unterwegs sei.
Ein weiteres Thema waren sogenannte Kabelbrücken bei Veranstaltungen. Nach
Einschätzung von Janthe Schröder sind viele der verwendeten Modelle für Rollstuhlfahrer zu
steil. Hier gebe es mittlerweile deutlich bessere Lösungen.
Auch die Informationen zur Barrierefreiheit der Wahllokale auf den Wahlbenachrichtigungen
kam zur Sprache. Die Grundschule in Hetzwege als Beispiel hat einen ebenerdigen
Nebeneingang und eine behindertengerechte Toilette, aber auf der Wahlbenachrichtigung
stand bei der letzten Wahl statt „rollstuhlgerecht“ die Info „nicht barrierefrei“. Mit Blick auf
die Kommunalwahl im September wollen die Grünen gemeinsam mit der
Gemeindeverwaltung prüfen, wo es noch Verbesserungsbedarf gibt.
Nach dem Rundgang trafen sich die Teilnehmer noch bei Bäcker Schrader zum Austausch bei
Kaffee und Kuchen. Die Veranstalter zeigten sich sehr zufrieden mit der Beteiligung und den
vielen konkreten Hinweisen. Die Ergebnisse sollen nun ausgewertet und an die zuständigen
Stellen weitergegeben werden.

Termine des OV Scheeßel

Grüner Gedankenaustausch Mai 2026

So langsam geht es auf die niedersächsischen Kommunalwahlen zu, was man auch an den Terminen bemerkt.
Am 8. Mai laden wir gleich zu zwei parallelen Veranstaltungen ein, die sich thematisch aber voneinander abgrenzen...

 

Mehr

GRUENE.DE News

Neues